Schule zu Hause

Durch den Corona-Lockdown haben viele Familien ‚Schule zu Hause‘ ganz neu erfinden müssen. Die Ideen und Regeln, die dabei helfen, dass das Lernen auf diese Weise klappt, können auch bei den regulären Hausaufgaben oder dem Lernen für Tests helfen. Die Lockdown-Erfahrungen sind also auch weiterhin wertvoll – selbst, wenn das Infektionsgeschehen keine neuen Einschränkungen im Schulbetrieb erzwingen.

Auch wir haben während der Homeschooling-Zeit mit unseren Kindern (3, 8, 13 und 17 Jahre alt) verschieden Erfahrungen gemacht und Ideen ausprobiert, wie „Schule zu Hause“ gut funktionieren kann und stellen diese hier vor.

Sicherlich gibt es aber noch ganz andere Ideen oder Tipps. Teilen Sie mit uns, was Ihnen im Zu-Hause-Schulalltag geholfen hat. (E-Mail an emaus@kinderschutzbund-springe.de)

1. Methoden ausprobieren

Jedes Kind lernt anders! Jetzt gilt es, herauszufinden, wie Schule zu Hause für jeden einzelnen am besten funktioniert:

Ist es Kind wichtig, auf einer to-do-Liste Punkte abhaken zu können? Will Kind sehen, was es geschafft hat und will es den Überblick über die Aufgaben behalten? : Dann ist es vielleicht eine gute Idee, wenn es sich für den Tag eine bestimmte Anzahl an Aufgaben vornimmt. Vielleicht sind sogar alle Aufgaben in einem Fach zu schaffen?

Fällt es schwer, über einen längeren Zeitraum konzentriert zu bleiben? : Bei uns hat in diesem Fall gut funktioniert, einen Wecker zu stellen und z. B. zu vereinbaren, dass 30 Minuten konzentriert gearbeitet wird und anschließend eine Pause oder das Arbeiten am Computer erlaubt ist.

Droht Streit, wenn Eltern sich als Hilfs-Lehrer einmischen? : Vielleicht reicht es, wenn am Ende eines Zu-Hause-Schule-Vormittags gezeigt wird, was geschafft wurde. Wenn es so scheint, als würde Kind die Aufgaben auch alleine bewältigen, gibt es – gerade bei Älteren – keinen Grund, sich einzumischen. Der Anspruch, jede Aufgabe inhaltlich zu kontrollieren oder das Kind zu Höchstleistungen zu treiben, bringt niemanden weiter. Sowieso: Selbstständiges Lernen ist eine wertvolle Kompetenz, die auch später noch nützlich sein wird.

Will das Kind so gar nicht an den Aufgaben arbeiten oder ist überfordert? : Die Vorstellung in diesem Fall nebenbei im Homeoffice glänzen zu können, muss leider verworfen werden. Jetzt gilt: Zeit nehmen, Aufmerksamkeit schenken, geduldig bleiben. Wenn die Aufgaben auch mit ein wenig Hilfe nicht gelingen: Aufgaben überspringen und entsprechende Rückmeldungen an die Lehrkraft geben.

Auch die ideale Uhrzeit zum Lernen ist nicht für alle gleich. Nur regelmäßige sollten die Schlafens- und Arbeitszeiten sein! Wir haben zudem eine Mindest-Arbeitszeit eingeführt, damit keine Diskussionen entstehen, wann die Zu-Hause-Schulzeit vorbei ist. (Bei uns sind das 2 Stunden.) Wenn alle Aufgaben aus der Schule geschafft sind, ergibt sich so vielleicht auch Zeit, Vokabeln nachzuholen oder Lernprogramme am Computer auszuprobieren.

Das passt alles nicht? Jedes Kind tickt anders. Auf der Suche nach der richtigen Arbeits-Strategie ist Ausdauer und Kreativität gefragt. Ach ja: Und oft haben die Kinder die besten Ideen! (Das war bei und zum Beispiel der kurze Spaziergang vor den Schulaufgaben, den sich zwei unserer Schulkinder angewöhnt haben, damit sie von Anfang an wach und konzentriert arbeiten können – auch ohne echten Schulweg.)

2.     Regelmäßigkeiten einführen

Wenn eine Strategie gut funktioniert hat, kann sich eine Zu-Hause-Lern-Routine entwickeln. Zum Beispiel sieht der Vormittag für unseren Zweitklässler gerade so aus:

 8.30 Uhr Lernstart, 30 Minuten Mathe, gemeinsame Kontrolle der Ergebnisse, 30 Minuten Computer-Lernprogramme, 15 Minuten Pause und ein bisschen Bewegung, 30 Minuten Deutsch, gemeinsame Kontrolle der Ergebnisse, mindestens 10 Minuten vorlesen. Fertig!

Mal schauen, wie lange das passt. Danach wird wieder rumprobiert und eine neue Routine gefunden… Die Größeren arbeiten natürlich länger und selbstbestimmter.

3. Pausen einplanen

In der Schule wechselt der Unterricht zwischen Stillarbeit, Unterrichtsgespräch, Gruppenarbeit und anderen Sozialformen. Dazu kommen Pausen, Raumwechsel und Sportunterricht. Kein Wunder, dass Kinder zu Hause nicht stundenlang still am Schreibtisch sitzen können. Auch hier sind Pausen erlaubt. Bewegung und frische Luft tun gut: Wie wäre es mit 20 Hampelmännern, drei Runden als hüpfendes Känguru um den Esstisch, ein paar Atemzügen am offenen Fenster…? Zudem ist bei uns auch in der Zu-Hause-Schule unbedingt eine Frühstückspause eingeplant.

Bei uns hat sich aber bewährt, die Schulaufgaben grundsätzlich an einem Stück zu bearbeiten.  Das heißt: Es gibt eine feste Schul-Zeit und in dieser Zeit werden nur (relativ kurze) Pausen gemacht.

4.     Aufmerksamkeit schenken

Mit drei schulpflichtigen Kindern und einem (eigentlich-) Kindergartenkind musste ich einsehen, dass ich mir während der „Schulzeit“ nicht viel vornehmen darf. Alles, was sich auf den Nachmittag verschieben lässt, muss warten.

Notfalls wird wieder der Wecker eingeschaltet: Zu bestimmten Zeiten ist „Mama-Sprechstunde“ oder „Papa-Sprechzeit“. Wenn der Wecker klingelt oder eine bestimmte Uhrzeit erreicht ist, können Fragen und Probleme besprochen werden. Ansonsten wird erstmal allein überlegt und alles erledigt, was auch ohne Mama und Papa gelingt.

5.     Erfolge feiern

Zu Hause gibt es keine Stempel oder Sternchen vom Lehrer oder von der Lehrerin, man kann sich nicht mit Mitschüler*innen vergleichen und bekommt keine guten Noten zurück. Deswegen: Schenken Sie den erledigten Schulaufgaben  Aufmerksamkeit (auch noch bei älteren Kindern) und erkennen Sie die Leistung an! Aufgaben verdienen nicht nur Lob, wenn sie fehlerfrei in Schönschrift vorliegen, sondern auch, wenn sie einfach irgendwie erledigt wurden, obwohl Kind keine Lust hatte.

Vielleicht lässt sich eine kleine Belohnung für eine geschaffte Schul-Woche am Freitag einführen? Ein ausgedehnte Spiele-Runde und endlich nehmen sich Mama und/oder Papa richtig Zeit? Ein Fernsehabend mit Popcorn und die Kinder suchen den Film aus? Das Kochen eines Lieblingsgerichtes? Pizza bestellen?